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300 Jahre Neumühle Büßfeld

Die Mühle war 238 Jahre (1710 bis 1948) in Betrieb.

Zitat: "Um 1709, so berichtet vom Hess. Staatsarchiv Darmstadt, hatte sich die Einwohnerzahl in Büßfeld so vermehrt, daß der Krebsmüller die Arbeit mit mahlen, holen und wiederbringen nicht allein schaffte. So kamen zu dieser Zeit noch vier Müller ins Dorf und holten das Getreide ab.

Der Müller Johann Henrich Hartmann aus Beltershain stellte nun ein Gesuch eine neue Mühle zu bauen, was auch die Büßfelder befürworteten. Ein Grund war auch, daß die auswärtigen Müller keinen Zins bezahlten, unterschrieben hatten die beiden Büßfelder Bürgermeister Michel Hermann und Henrich Mauß. Der Krebsmüller Conradt Schaaf und sein Eidam Paul Wolff erhoben Einspruch beim Landgrafen. Dies ist in der Geschichte der Krebsmühle schon erwähnt. Die Genehmigung zum Bau der Neumühle erhält ein Johann Schepp, der aber zurücktritt, ebenso der genannte Hartmann aus Beltershain.

Im Juli 1710 melden sich zwei neue Bewerber um den Bau einer neuen Mühle: Conradt Wetzstein aus Lauter und Andreas Weygandt aus Nieder-Ohmen. Wetzstein tritt auch zurück, sodass nur noch Weygandt übrig bleibt und das Recht zum Bau der Mühle erhält. Er hat zu entrichten: jährlich 10 Mött Korn (Die Mötte war ein Volumenmaß nur in Marburg.
1 Mötte = 5232 Pariser Kubikzoll = 103,784 Liter), 3 Gulden Schlagmühlen Zinß, ein Rauchhuhn und zwey junge Hahnen. Den Bauplatz muss er bezahlen. Er selbst erhält 2jährige Freiheit auf seine Person und ein Pferd. Dazu erhält er die Erlaubnis auch nach Bleidenrod zu fahren (Darmstadt, den 23.X.1710). Im Staatsarchiv Darmstadt befindet sich auch ein "Verzeichnis über das Korn und Kochmehl, so ein jeder zu Büßfeld, zu einem Jahr muss mahlen lassen, 1710". Darin folgende Namen: Johann Daniel Veyh, Lorentz Schäfer, Martin Hederich, Johannes Hederich, Johannes Dieterich Hermann, Johs. Henrich Hederich, Hanß Henrich Winkelhaußen, Johann Jacob Friederich, Conradt Geißel, Johannes Maul, Michel Hermann, Johannes Dieterich Reuther, Joh. Henrich Mauß, Johannes Friederich, Johannes Henrich Heß Senior, Johs. Hermann, Johann Georg Schäfer, Hanß Henrich Schäfer, Conradt Schäfer, Melchior Böchers Witwe, Hanß Henrich Hermann, Conradt Hopp, Cloß Müller. Die Auszüger: Henrich Müller, Johannes Schäfer, Michel Hermann, Johs. Henrich Hederich, Johs. Henrich Friederich, Niclas Heydt, Johs. Friedrich Witwe, Conradt Blösers Witwe, Jacob Hermanns Witwe, Cloß Heß Witwe, Johs. Henrich Hermann, Wichardt Monfordts Witwe. Die Hirten: Hanß Keller, Kuhhirt, Martin Friedrich, Schweinehirt, Johs. Conradt Erb, Schäfer, Johs. Peter Faulstein, Schäfer.

Als der Neumüller (Weygandt) stirbt, bewirbt sich sein Schwiegersohn Johannes Rühl um das Recht die Mühle fortzuführen, was vom Landgrafen am 27.1.1719 genehmigt wird.

1743 pachtet Johs. Rühl eine andere Mühle bei Homberg und bittet die Büßfelder Mühle seinem Eidam Johannes Friedrich zu übertragen.

1763 macht dessen Witwe Anna Catharina ein Gesuch, ihre Pacht wegen Kriegsplünderung zu erlassen. Die Genannte heiratete 1763 den Martin Schmidt von König-Saasen, der aber schon 1764 starb. Sie verkauft 1764 die Mühle an Johannes Caspar Hofmann aus Lollar für 780 Gulden.

1765 wird ihm die Erbleihe erteilt.

1791 ist zu lesen, daß Johann Caspar Hofmann Erbmüller auf der herrschaftlichen Mühle am Krebsbach, am Waldeck zu Büßfeld ist. Zwischendurch eine Beschwerde der Müller, daß durch die vielen Kartoffeln ihre Arbeit stark abnimmt. Nach Caspar Hofmann folgt dessen Schwiegersohn Johann Georg Bräuning (ca. 1799), 1801 lebt dieser nicht mehr. Die Witwe führt die Mühle weiter mit 6 unmündigen Kindern.

1808 macht sie ein Gesuch die Mühle an Johannes Meßinger zu verkaufen. Dieser kauft die Mühle am 8.3.1808 für 950 Gulden. Er will von diesem Kauf abstehen, wenn die Pachtschuld der Witwe Bräuning erlassen wird. So könnte dann der älteste Sohn durch eine Heirat die Mühle halten und dadurch seiner Mutter und den unversorgten Geschwistern ein Heim geben. Dieser Plan wird jedoch nichts und Johannes Meßinger von der Wältershäuser Mühle kauft, wie schon berichtet, die Mühle.

Er verkauft sie 1810 an seinen Bruder Johann Georg Meßinger. Bei diesem Verkauf sind auch einige Grundstücke genannt: Wiese bey der Mühlen, Gartten bey der Mühlen, die Flickwiese, die Maußwiese, die Häuperswiese, die Wiese am Waschpfuhl und ein Acker am Steinbusch.

Der Müller Johann Georg Meßinger starb Anfang November 1831. Seine Frau führte zunächst die Mühle weiter, die Mühle war stark verschuldet und wurde 1833 von Georg Böcher aus Lauter gekauft. Am 27. Dezember 1833 ist im Kirchenbuch zu Ober - Ofleiden eingetragen, daß Johann Georg Böcher zu Lautem im Kreis Grünberg, Sohn des weyland Müllers Johannes Böcher zu Lauter und seiner hinterlassenen Ehefrau Elisabetha Catarina geborene Tribert lediger Sohn, 27 Jahre alt, nunmehr angehender Ortsbürger und Müller in der Neumühle zu Büßfeld, geboren den 9. Oktober 1806, mit Louise Meßinger des weyland Müllers in der Neumühle Johann Georg Meßinger und seiner hinterlassenen Ehefrau Margatetha geb. Bräuning, lediger, am 16. September 1816 geborenen Tochter copuliert wurde. Also hatte Georg Böcher nicht nur die Mühle gekauft, er hatte auch eingeheiratet.

Laut Bescheinigung des Bürgermeisters Heß hatte Georg Böcher 1843 vier gesunde Kinder. Scheinbar hatte er von zuhause Geld mitgebracht, er kaufte die Mühle für 151 1/2 Gulden, jedoch ohne Grundstücke.

1844 konnte er die bisher auf der Mühle liegende Erbpacht mit 436 Gulden ablösen, somit wurde die Neumühle sein privates Eigentum. 1839 hatten die Verhältnisse der Neumühle noch so ausgesehen: Georg Böcher 1839 Unter Büßfeld an dem Wasser, die Krebsbach genannt, hat eine Mühl mit einem oberschlächtigen Mahlgang, ist sein Erb-Eigen, hat sein Mahlwerk mit einem dritten Teil zu Büßfeld, darf aber auch darneben nacher Bleidenrodt im Amt Burg-Gemünden fahren um Mahlwerk zu holen. Gestände, daß er in Tag und Nacht mahlen könnte, auch zu mahlen hätte: Drey Mesten Frucht, Marburger Maaß, thut im Jahr nach Abzug der Sonn- und Feyertage in 300 Tagen 900 Mesten. Mit 40 Pfund ist das Gewicht einer Meste in früherer Zeit angegeben, das wären also bei 3 Mesten am Tag 120 Pfund Weizen, bei Korn sind es noch 12 Pfund weniger. Mit gut einem Zentner Korn pro Tag scheint die Leistung der Mühle sehr gering. Wenn der Müller davon 1/16 als Molter behalten konnte, pro Tag etwa 7 Pfund, so war das auch sehr gering.

Georg Böcher war ein streitbarer Mann. Er führte von 1865 bis 1876 einen Prozess gegen die Gemeinde, um den Bau einer Brücke über den Krebsbach in der Zufahrt von der Straße Büßfeld-Homberg zu seiner Mühle. Auch mit der Hilfe eines Rechtsanwaltes gewann er den Prozeß nicht, hatte aber sicher dabei viel Geld verloren, denn mit der Neumühle ging es, besonders unter dem Sohn Heinrich Böcher, rasch bergab. Heinrich Böcher heiratete am 26.10.1873 die Katharine Feyh aus Büßfeld, die aber schon 1875 starb. Am 24.12.1876 heiratete Heinrich Böcher zum 2. Mal, die Katharine Dörr aus Weitershain. Mit ihr hatte er drei Kinder.

Die Verschuldung der Neumühle hatte inzwischen so zugenommen, daß 1891 die Gemeinde die Mühle kaufte, sie aber an Heinrich Böcher verpachtete.

1892 mußte schon die ganze Ernte (Heugras, Getreide und Grummetgras) gepfändet werden.

1893 schrieb die Gemeinde die Mühle zum Verkauf aus, es meldeten sich aber keine Interessenten. So bezahlte die Gemeinde an den Treuhänder von Böchers Erben in 1893/94 insgesamt 9.939,52 Mark.

Es vergingen noch 2-3 Jahre, bis 1897 der gebürtige Büßfelder Johannes Engel (Engels Haus) mit seiner Familie aus Paris zurückkehrte, wo er als Gastarbeiter Geld angespart hatte. Er kaufte von der Gemeinde die Neumühle für 9.000,00 Mark, die er in 2 Raten bald bezahlt hatte. Die Frau des Johannes Böcher war aus Ebenhausen, eine geborene Heldmann. Zwei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, eine Tochter Anna, die nach Gailshausen verheiratet war und ein Sohn Adolf, geb. am 21.09.1897 in Paris. Dieser heiratete eine geborene Handstein aus Appenrod.

1912 wurde ihre Tochter Anna geboren. Die genannte erste Frau des Adolf Engel starb 1918 und er heiratete 1921 die am 02.07.1888 geborene Katharine Hämer aus Höingen.

Die Tochter Anna heiratete 1932 den Theo Hämmerle, der als Verwalter auf Neu-Ulrichstein war.

Schon 1933 zogen die jungen Eheleute weg nach Offenbach, sodaß die beiden Alten allein in der Neumühle lebten. Adolf Engel betrieb die Mühle noch bis 1948, auch bewirtschafteten die beiden noch das dazugehörige Land.

Am 27.12.1956 kauften Erich Loth und Lydia geborene Strefler, beide aus Büßfeld, die Neumühle mit den dabei liegenden Grundstücken. Sie zogen am 5. Mai 1957 in die Mühle ein."

Zitiert aus dem Buch: Heimatbuch Homberg-Büßfeld, Herausgeber: Verein Heimatfreunde Büßfeld, 1993

Im Jahr 2004 ging die Neumühle in das Eigentum der Familie Marx über.